Unser Blog
Silvi

Wir stellen vor – unsere Absolventin Silvi von Eine Handvoll Worte

Im Sommer 2017 war ich dann zum ersten Mal auf einer freien Trauung. Ich war so begeistert von der Individualität und davon, wie ausführlich der Redner über das Brautpaar Bescheid wusste.

Mit Baby in der Trage zum Traumberuf

Ich habe jahrelang auf Hochzeiten gesungen und vieles erlebt: Kirchliche Trauungen, Standesamtliche Trauungen, kleine Hochzeiten, große Feste, da war alles dabei. Im Sommer 2017 war ich dann zum ersten Mal auf einer freien Trauung. Ich war so begeistert von der Individualität und davon, wie ausführlich der Redner über das Brautpaar Bescheid wusste. Da wurde gelacht und geweint und die Stimmung – es gab für jeden, der dabei war, berührende Momente. Ich weiß nicht genau, warum, aber anscheinend sollte das auch mein Weg sein. Denn knapp ein Jahr später – ich war inzwischen Mama eines kleinen Buben geworden – war mein Mann als Hochzeitsfotograf in Portugal gebucht. Ich habe gleich gesagt, dass ich und das Baby mitfliegen und wir einen Familienurlaub draus machen könnten.

Foto: Michael Schreiber

Neue Wege mit portugiesischem Sand zwischen den Zehen

Zwei Wochen vor der Abreise hat mich die Braut angerufen – ihre portugiesische Traurednerin hat alles abgesagt. Aber sie können sich alle vorstellen, dass ich das gut machen würde und ob ich stattdessen die Zeremonie leiten möchte. Ich habe keine Sekunde gezögert und sofort JA gesagt. Ich habe das Brautpaar gekannt und die Entscheidung ist mir natürlich leicht gefallen. Nur mein Mann hat gezögert: „Wie soll das denn mit dem Baby gehen?“ Aber ich bin nicht so der Typ für allzu negative Gedanken und ich war überzeugt, dass das schon irgendwie klappen wird.

Noch am selben Tag habe ich mich mit dem Brautpaar zum Gespräch getroffen, ich habe ihre FreundInnen und Familien durchtelefoniert und in den folgenden Tagen wirklich reingebuttert. In kürzester Zeit ist eine richtig schöne Trauzeremonie entstanden. Wir sind nach Portugal geflogen, ein bisschen herumgereist und an einem windigen, aber sonnigen Septembertag war die Trauung am Strand von Lourinha. Ich war so nervös! Mein vier Monate altes Baby habe ich vorher bis auf Anschlag gestillt, es in die Bauchtrage gepackt und zu meinem großen Glück ist der kleine Mann eingeschlafen und erst beim Schlussapplaus wieder aufgewacht. Die Trauung war so entspannt, so schön und stimmig, wir alle hatten Sand zwischen den Zehen und die kühle Brise hat uns die Haare ins Gesicht geweht. Ich war verzaubert von den Reaktionen des Brautpaares und der Gäste. Verzaubert davon, dass ich sie mit meinen Worten zum Weinen, zum Lachen, zum Staunen und zum Träumen bringen konnte. Ab da war mir bewusst, dass ich das öfter erleben möchte.

Ein Jahr später ist mir die Rednerwerkstatt auf Facebook aufgefallen und dann ist alles ganz schnell gegangen: Ich habe die Ausbildung gemacht, habe meine eigene Website erstellen lassen, bin auf Instagram aktiv geworden und schon in meinem zweiten Jahr nach der Gründung von „Eine Handvoll Worte“ bin ich als freie Rednerin voll ausgebucht. Natürlich habe ich mir davor gedacht, dass ich keine Ausbildung brauche – reden und schreiben kann ich ja ohnehin. Aber glaubt mir, die Ausbildung hat mir so viel gebracht und so viele Umwege erspart. Katja und Elisabeth sind schon viele Wege vor mir gegangen und sie teilen den riesigen Erfahrungsschatz, den sie sich aufgebaut haben, gerne mit ihren Schülerinnen und Schülern. Seien es steuerliche Themen, sei es Input zum Social Media Auftritt, sei es die Erstellung eines Marketingkonzeptes oder seien es Ideen für alternative Rituale zum Sandritual (das war übrigens in Portugal am Strand sehr stimmig, aber heute weiß ich, dass das Sandritual nicht überall passend ist).

Foto: Michael Schreiber

Tiefe Einblicke und tiefe Dankbarkeit

Immer, wenn ich von einer Trauung nach Hause fahre, bin ich sehr bewegt und dankbar, dass mir die Brautpaare so tiefe und ehrliche Einblicke in ihr Leben, in ihre Gedanken- und Gefühlswelt schenken. Ich würde sagen: Kategorie Traumjob.

Ach und übrigens: Mein Sohn ist inzwischen schon groß genug, ich muss ihn also nicht mehr zu den Trauungen mitnehmen und hoffen, dass er nicht anfängt zu weinen. Aber ich denke, er hat damals in Portugal auch schon gespürt, dass seine Mama jetzt gerade etwas Besonderes macht und mich damals einfach schon auf seine Weise unterstützt. <3

 

Silvi findet ihr online: einehandvollworte.at & @einehandvollworte_freie_reden
Beitragsfoto: Michael Schreiber